Martha Lukasi ist Generaldirektorin von Sibusiso in Arusha, Tansania. Im Jahr 2026 wird das Zentrum als führendes Rehabilitationszentrum gestärkt und die Outreach-Aktivitäten werden als Community Based Inclusive Development (CBID) durch mobile Kliniken ausgeweitet. Martha berichtet uns von den neuen Aktivitäten.
Martha, Sibusiso besteht bereits seit 25 Jahren. Warum jetzt ein neuer Ansatz?
„Seit 25 Jahren bietet Sibusiso Rehabilitation mit Programmen im Zentrum und über das Outreach-Programm in den Dörfern nahe des Zentrums an. Unsere Erfahrung zeigt jedoch, dass dieses Modell für Familien, die weit entfernt wohnen, kein Transportmittel haben oder unter Stigmatisierung leiden, unzureichend funktioniert, sodass sie unsere Dienste nicht ausreichend nutzen können. Wir sind fest entschlossen, auch diese Kinder zu erreichen“.
Was wird Sibusiso nun anders machen?
„Im Jahr 2026 wird Sibusiso ein Hybridmodell einführen, das zentrumsnahe Versorgung mit Community Based Inclusive Development (CBID) kombiniert, indem monatliche Rehabilitationsdienste über eine mobile Klinik bereitgestellt werden. Wir werden die Versorgung gemeinsam mit den Gemeinden, den Familien und den lokalen Behörden leisten. Auf diese Weise hoffen wir, auch Stigmatisierung und Ausgrenzung von Kindern mit Behinderungen entgegenzuwirken. Wir beginnen mit einem Pilotprojekt im Viertel Maji ya Chai im Distrikt Arumeru.“
Was passiert in einer solchen mobilen Klinik?
„Unser Team aus Fachkräften, darunter Therapeuten, Sozialarbeiter und Lehrer, reist in benachteiligte Gebiete, um Kinder zu beurteilen, Rehabilitation anzubieten, Betreuer zu schulen und Familien darin zu begleiten, wie sie ihre Kinder zu Hause unterstützen können. Neu ist, dass wir lokale Pflegekräfte in die Arbeit einbeziehen und Familien mit unseren Diensten vernetzen. Dabei ist es wichtig, das Bewusstsein für Rechte und die Inklusion von Menschen mit Behinderungen zu schärfen“.
Warum ist dieses Engagement der Gemeinschaft so wichtig?
„Weil dauerhafte Veränderung nicht von selbst geschieht, sondern in den Gemeinschaften entstehen muss. Wenn wir Familien unterstützen, Gemeinden informieren und sicherstellen, dass lokale Behörden Mitverantwortung für die Probleme übernehmen, haben Kinder mit Behinderungen langfristig eine viel größere Chance. Das Engagement der Gemeinschaft hilft, Stigmata und Tabus zu brechen, verbessert den Zugang zu Dienstleistungen und sorgt dafür, dass Inklusion nicht vorübergehend, sondern nachhaltig ist“.
Ist dies ein Ersatz für das Rehabilitationszentrum?
„Nein, absolut nicht. Das Zentrum bleibt das Herzstück unserer Arbeit. Vielmehr stärken wir es als ein Zentrum mit hoher Rehabilitationsqualität, als Ort zum Lernen und für Überweisungen an spezialisierte Versorgungsstellen. Was sich ändert, ist, dass wir die Reichweite vergrößern, sodass die Unterstützung nicht im Zentrum aufhört, sondern bei den Familien zu Hause und in den Gemeinden weitergeht“.
Was bedeutet dieser Schritt für die Zukunft von Sibusiso?
„Dies ist ein wichtiger Schritt, um unser Ziel zu erreichen: eine nachhaltige Wirkung und geteilte Verantwortung in den Gemeinschaften. Unser Bestreben ist es, bis 2030 über unsere Rehabilitationsdienste mehr als 2.500 Kinder und Jugendliche mit Entwicklungsstörungen zu erreichen und ihnen zu helfen. So erhalten noch viel mehr Kinder mit Behinderungen eine faire Chance in Tansania.“
Gibt es in diesem Jahr noch andere Änderungen im Programm von Sibusiso?
„Ja, sicher. Mit dem Start der neuen Aktivitäten überarbeiten wir unser Budget und straffen die Organisation unserer Programme im Zentrum. So verkürzen wir das 7-Wochen-Programm auf 5 Wochen, damit mehr Zyklen möglich sind. Wir konzentrieren uns auch stärker auf gesellschaftliches Engagement, Bewusstseinsbildung und den Einsatz für die Rechte von Kindern mit Behinderungen. Dies tun wir durch eine engere Zusammenarbeit mit der Regierung und den lokalen Gemeinschaften“.
Zum Abschluss: Was treibt Sie persönlich bei diesem Projekt an?
„Ich sehe jeden Tag, was für einen Unterschied es macht, wenn ein Kind wirklich gesehen und geschätzt wird und eine Chance bekommt, aufzublühen. Wenn man ein Kind sieht, das einst ausgeschlossen war und nun teilnehmen kann, lernt und in seiner Gemeinschaft akzeptiert wird, dann gibt mir das enorm viel Energie und Hoffnung“.